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Traumjob: Marketing Managerin bei Microsoft

Wie Digitalisierung und Big Data ein Berufsbild verändern

Digitalisierung, neue Arbeitswelten und ein geändertes Mediennutzungsverhalten sind die Buzz-Words des sozialen, technologischen und ökonomischen Wandels. Big Data ist damit auch eines der wesentlichen Zukunftsfelder von Marketing. Zusätzlich zählen Mobilität und Individualisierung zu den zentralen Charaktereigenschaften der Gesellschaft. Massenbotschaften finden keine Aufmerksamkeit mehr, direkte und individuelle Ansprachen sind gefordert. Auch das Berufsbild des Marketing Experten verändert sich dadurch zusehends. Neue Formen der direkten und digitalen Kommunikation stehen im Fokus. Wir haben mit Chief of Marketing Managerin bei Microsoft, Susanne Soumelidis, über Trends, Herausforderungen und ein wandelndes Berufsbild gesprochen.

Manpower Karriereblog-Interview mit Microsoft Marketing Managerin Susanne Soumelidis

Frau Soumelidis, Sie sind Chief of Marketing bei Microsoft. Wie war denn Ihr beruflicher Werdegang?

Ich habe Sport und Englisch studiert und das auch relative lange gemacht. Ich hatte ein Herz für die Themen, aber wenig für das Unterrichten, was sich relativ schnell herausgestellt hat. Ich habe geheiratet und zwei Kinder bekommen. Dann habe ich begonnen, mich umzusehen, was ich mit meiner Kompetenz anfangen könnte und in einem Architekturbüro halbtags im Backoffice begonnen. Dort habe ich die ersten Erfahrungen mit dem Computer gemacht. Eines Tages hat mich ein Freund der Familie angesprochen, der bei Microsoft tätig war. Er hat mich gefragt, ob ich ihn in Teilzeit im Projektmanagement unterstützen möchte.

Ich habe begonnen, einen Tag in der Woche bei Microsoft zu arbeiten. Da waren die Kinder noch ganz klein. Daheim haben Studenten auf die Kinder geschaut und irgendwann waren sie dann auch im Kindergarten. Bei Microsoft habe ich sehr einfach mit Datenmanagement begonnen und relativ schnell die Gelegenheit bekommen, in ein Thema reinzugehen, von dem ich keine Ahnung hatte, nämlich die Kommunikation. Damals war das bei Microsoft wirklich gut möglich. So habe ich Kommunikation von der Pike auf gelernt. Damals, Anfang 2000, war digitale Kommunikation noch wirklich in den Kinderschuhen. Das Internet und die ersten Webseiten sind lokal entstanden und wir hatten damals auch noch sehr hohe lokale Verantwortung. Also keine zentrale Infrastruktur, wie wir es heute haben. Gerade diese digitale Kommunikation ist meine Leidenschaft. Ich habe viele Stufen durchlaufen, von internationalem Kampagnenmanagement und einem kleinen Kommunikationsteam, bis ich vor 6 Jahren die Möglichkeit bekommen habe, die Führung des Marketing-Teams zu übernehmen.

Was sind denn nun Ihre genauen Aufgaben?

Ich bin Central Marketing Lead und wir sind die inhouse-Agentur für alle Marketiers im Haus. Wir sind zuständig für die Planung, Umsetzung und Optimierung der Kampagnen. Wir haben auch die Budgetverantwortung für das Commercial Marketing. Da unterstützen wir vor allem das Business dabei, die entsprechenden Revenue-Ziele zu erreichen. Im Consumer Marketing sind wir eingeschränkt tätig. Wir sind 10 Leute und arbeiten stark mit Sales zusammen und unterstützen den Verkauf, Revenue zu generieren. Dann gibt es noch die Disziplinen Digital Marketing, Social Marketing und Event Marketing.

Sie leiten ein Team von 10 Leuten. Wie schaut ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Ein typischer Tag beginnt bei mir mit einem Tee in einer meiner Lieblingsräume "Brainforest". Da ist am Morgen ein wenig Sonne und ich schaue meine E-Mails an. Ich bin relativ früh im Büro, gegen 8:30 Uhr, da bin ich eine der Ersten. Um 9:00 Uhr beginnen meistens die Meetings und laufen dann bis ca. 17:00 Uhr. Mein Tagesgeschäft ist die Abstimmung von Projekten. Ich bearbeite wirklich von Stunde zu Stunde komplett unterschiedliche Themen. Meistens komme ich erst ab 18:00 oder 18:30 Uhr wirklich zum Arbeiten.

Manpower Karriereblog-Interview mit Microsoft Marketing Managerin Susanne Soumelidis

Die gesamte Arbeitswelt verändert sich und auch im Marketing ändert sich vieles. Wie verändert sich dieser Beruf?

Die stärkste Veränderung sehe ich im Aufgabenfeld. Wenn ich zurückdenke, wie ich als Marketier begonnen habe, da haben wir sehr stark in der Kommunikation und Kreation die Erfüllung gefunden. Heute habe ich eine sehr starke kreative Kommunikations-Komponente, die mein Tagesgeschäft bestimmt. Es gibt aber auch eine sehr starke Seite, die Business-orientiert und analytisch ist. Die musste ich erst entwickeln. Ich habe plötzlich mit Leuten in der IT zu tun gehabt, deren Sprache ich nicht verstand und umgekehrt. Deshalb habe ich vor 2-3 Jahren schon begonnen, bei der Suche meiner Mitarbeiter nicht nur nach dem Kreativen zu suchen, sondern auch nach analytischen Kompetenzen und Sales-Talent. Marketiers sind gut beraten, auch einmal im Verkauf gearbeitet zu haben, um zu verstehen, was die Herausforderungen dort sind. Ein Seller wiederum muss Digitalkompetenz haben und Social Selling verstehen bzw. wie man seine Netzwerke in einer digitalen Ära aufbaut. In der Vergangenheit war es gut möglich, dass der Sales draußen beim Kunden war und wir sind da gesessen und haben unsere E-Mails verschickt und unsere Webseiten gepflegt. Das funktioniert heute nicht mehr.

Wie erkennen Sie analytische Fähigkeiten, wenn Sie Leute für Ihr Team suchen?

Eine der wichtigsten Frage ist: „Woran messen Sie Erfolg? Was sind die Key-Performance-Indicators, die Ihnen sagen, dass Sie entsprechend Value gebracht haben?“ Da sieht man sehr schnell, wie Leute Erfolg im Marketing messen.

Was ist denn die ideale Antwort in Bezug auf die Erfolgsmessung im Marketing?

Return on Investment ist der Key Success Faktor. Es reicht mir heute nicht, nur Reichweiten zu haben oder Engagement. Mein Anspruch ist es, dem Unternehmen Umsatz zu bringen. Wir übernehmen 20-30% der Umsatzverantwortung. Wir treiben das Business gemeinsam mit Sales.

Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Marketing Aktivitäten? 

Klassisches Return on Marketing Investment. Eingesetzter Dollar gegen Entered Pipe Value oder Umsatzbeitrag. Wir arbeiten mit hochkomplexen Systemen, die uns helfen, Daten zu produzieren, aber viel wichtiger, auch diese zu analysieren und daraus Handlungen abzuleiten. Eine der Fragen, die ich immer wieder stelle, ist: "Sie haben Erfolg definiert und waren jetzt erfolgreich, oder auch nicht. Was haben Sie gelernt? Was waren die Maßnahmen, die Sie für sich abgeleitet haben?". Im modernen Marketing muss man extrem flexibel sein. Diese Flexibilität bringen junge Leute einfach mit, weil sie für alles offen sind. Für den gestandenen Marketier ist das schon eine Herausforderung.  

Moderne Arbeitswelten bei Microsoft Österreich

Public Relations (PR) ist ja auch so ein Teilbereich wie Marketing. Ist das auch unter Ihrer Führung?

Nein. Wir arbeiten extrem eng mit der PR zusammen, mittlerweile wöchentlich. Eine der Maßnahmen war, dass wir zu einer Agentur, die PR und Kommunikation im Gesamten inklusive sozialer Medien versteht, gewechselt haben.

CEO Reputation Management ist bei Ihnen in allen Konzepten strategisch integriert. Das, was Dorothee Ritz auf LinkedIn postet, hat Auswirkungen und ist Teil des großen Plans. Da geht es ja auch bei vielen Unternehmen darum, wie Führungspersonen positioniert werden.

Wir haben einen Themenplan definiert, in dem pro Quartal steht, welche Themen wir besetzen wollen und wer die Experten im Unternehmen sind, die ein Know-how haben. Dementsprechend ist die Kommunikationsagentur gefordert, Dorothee Ritz mit Inhalten zu füttern, die für sie relevant sind. Authentizität ist dabei wichtig. Die Dorothee hat eine eigene Agenda mit 2-3 Themen, die für sie extrem relevant sind. Sie setzt sich z. B. für die Entwicklung von Kinder-Kompetenzen und Frauen sehr stark ein.

Ist da auch Beruf und Familie ein Thema?

Ja, natürlich. Sie hat 2 Kinder, die in Deutschland sind. Das ist eine Gratwanderung, das war ein Aha-Erlebnis für uns im Coaching. Da hat sie uns gezeigt, wie sie über eine unserer Technologien am Abend mit den Kindern Hausaufgaben macht und korrigiert. Das ist natürlich ein Thema, darüber muss man erzählen und das muss man rausbringen.

Das Coaching dient jetzt wozu?

Unser Social-Media-Experte coacht sie in den Kanälen Facebook, Twitter, LinkedIn. Letzte Woche waren wir bei einem Videodreh für die Special Olympics, da war sie mit am Eis mit unserem Special-Olympics-Athleten und sie hat sofort darüber getwittert, was sie da macht und mittlerweile geht es in ihre DNA.

Viele Unternehmen möchten das auch, aber die Unternehmenskultur ist noch nicht so weit. Es gibt noch immer Unternehmen, die z. B. Facebook für die Mitarbeiter sperren. Was macht ein Marketingmanager, der in so einem Unternehmen sitzt und wo kann er beginnen?

In jedem Unternehmen gibt es Menschen, die dafür eine Leidenschaft haben. Die muss man finden. Eine kleine Saat ziehen, das haben wir am Anfang auch so gemacht. Wir haben nach Leuten gesucht, die schon auf Facebook und LinkedIn aktiv waren. Die gehen mit den Medien ganz natürlich um, aber tun es noch nicht im Sinne des Unternehmens. Irgendwann möchten es dann auch andere Mitarbeiter probieren. Das Management hat schon verstanden, dass Digital Marketing ein messbares Marketing ist. Viel mehr als es früher die klassischen PR-Reichweiten waren. Auf Managementebene funktioniert das mit Beispielen und kleinen Erfolgen, aber auch mit harten Rechnungen.

Und was muss man da tun?

Wir haben den LinkedIn Sales Navigator, also Social-Selling-Lizenzen für mittlerweile 150 Mitarbeiter und dadurch den Zugriff auf Netzwerke im 3. und 4. Level. Das heißt, wir haben heute einen Account Manager nicht mehr für 8 Accounts, sondern für 150 Accounts. Man kann diese 150 Kunden gezielt mit interessanten Inhalten ansprechen. Im Marketing kann ich das in der Regel nicht, da habe ich Privacy Restrictions. Es wird immer schwieriger über Marketing einen Kunden zu erreichen. Wir sehen auch, dass es weit besser funktioniert, die Kunden über Soziale Medien anzusprechen. Das muss man natürlich gut machen, das darf nicht platt sein. Es funktioniert besser als über E-Mail, weil die Kunden bei E-Mails oft gar nicht mehr reagieren. Der Seller verbringt heute nicht nur Zeit auf der Straße mit seinen Kunden, sondern auch in den Sozialen Medien, in der Recherche, um den Interessen des Kunden möglichst nahe zu sein.

Berufsbild Marketing Manager bei Microsoft

Sie sind jemand, der sich ständig weiterentwickelt und sich auch neuen Dingen nicht verschließt. Wie haben Sie das geschafft, sich ständig weiterzubilden? 

Die Grundvoraussetzung ist auf jeden Fall das Interesse. Wenn ich im Marketing bin, dann habe ich sowieso eine Leidenschaft für Kommunikation. Wenn ich heute im Marketing erfolgreich sein möchte, dann ist Relevanz die oberste Priorität beim Kunden. Es gibt heute im Netz nahezu unendlich viele Möglichkeiten, sich kostenlos fortzubilden, z. B. mit Webcasts, Studien, etc. Vor 2-3 Jahren habe ich auch begonnen, mir von externen Ressourcen Trends zeigen zu lassen, wo man sich hin entwickeln muss, wie man Teams aufstellen muss, welche Fähigkeiten man in Zukunft braucht.

Sie haben ja nebenbei noch zwei Kinder großgezogen, das bringt viele Frauen in diese Teilzeitfalle, in der sie dann 20 Jahre sind. Wie haben Sie das gemacht?

Ich glaube mit viel Verständnis von allen Seiten. Die Familie, die Freude daran hat, dass eine Mama da ist, die auch ein erfülltes Arbeitsleben hat. Ich habe viel Zeit in der Nacht und am Wochenende investiert, um mich fortzubilden. Ich habe viele Wochenenden auch gearbeitet. Das ist natürlich auf Kosten der Familie gegangen. Wenn ich heute mit meinen Kindern rede, dann sagen sie, das einzige, was eventuell für sie ein Thema war, dann, dass sie beim Abholen aus dem Kindergarten um 17:00 Uhr nicht so genau wussten, kommt die Mama heute pünktlich oder nicht. Die Zeit, die ich für sie hatte, war qualitative Zeit und wir haben gemeinsam etwas unternommen.

Mein Mann war selbstständig in der Geschäftsführung und hat immer sehr viel gearbeitet. Ich habe da schon jongliert. Es ist heute schon sehr viel leichter geworden, wenn ich so in unserem Unternehmen schaue. Da gibt es sehr viel Verständnis dafür, dass die Kinder krank sind, dass man zu Hause arbeitet. Das gab es alles in meiner Zeit überhaupt nicht. Ich habe nicht über meine Kinder gesprochen. Die meisten wussten gar nicht, dass ich Kinder habe. Sie haben mehr Verständnis dafür gehabt, wenn ich gesagt habe, ich habe jetzt einen Geschäftstermin, als ich gehe heim und kümmere mich um meine Kinder. Heute gibt es auch Jobsharing. Die teilen sich also den Job und ich sehe, wie sie kämpfen. Ich rede viel mit ihnen und sage ihnen, dass das ein Investment für die Zukunft ist. Es ist jetzt hart, aber am Ende des Tages wird man belohnt mit einer Aufgabe, die erfüllend ist.

Das klingt schon ziemlich hart. Wie und wo haben Sie dann abgeschaltet?

Beim Schlafen! Wenn Sie meine Kinder fragen, dann sagen sie: „Die Mama ist immer auf der Couch gelegen". Die Zeit, die ich hatte, habe ich versucht mich auszuruhen. Der Rest ist in die Familie und in die Arbeit gegangen. Das ist der Preis, den ich für mich gezahlt habe. Ich glaube schon, dass ich gelernt habe, mit dem Stress, dem Druck umzugehen. Ich habe auch gelernt, mit dem Wissen, dass die Arbeit nie erledigt ist, trotzdem entspannt nach Hause zu gehen. Dieser Druck, dass mein Job einfach nie fertig ist, das ist für viele junge Frauen schon schwierig. Im Grunde genommen muss man bei der Familie und bei der Arbeit Abstriche machen und seinen Frieden damit finden. Ich habe Gott seid Dank einen Mann gehabt, der gesagt hat: "´Das passt schon, das ist überhaupt kein Problem. Dann geht es eben nicht."

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