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Migration belebt den Arbeitsmarkt

Beim Crosstalk mit dem Roten Kreuz durften Mitarbeiter von Manpower nicht nur erfahren, dass Integration bereits beim Zuhören beginnt, sondern auch eine Integrationsbotschafterin des Roten Kreuzes näher kennenlernen. Die Recruiter sowie Kunden- und Personalbetreuer von Manpower lernen durch Ihre Tätigkeiten täglich Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen kennen. Fest in den Werten der ManpowerGroup verankert, ist der Anspruch, für Kunden und Kandidaten Dienstleistungen zu entwickeln und dabei den Menschen als Individuum zu achten. Um mehr über die Lebensgeschichte von Suad und ihrem erfolgreichen Start in das Arbeitsleben in Österreich zu erfahren, baten wir Suad deshalb um ein Interview mit Manpower. Suad hat in Saudi Arabien ihren Maturaabschluss gemacht und zog im Anschluss an ihre Ausbildung mit ihrer Mutter nach Syren. Suad hatte Glück und erhielt nach ihrer Ausbildung ein Stipendium an der Karachi University in Pakistan, wo sie Pharmazie studieren und erste Erfahrungen in Spitälern sammeln konnte. Derzeit ist Suad beim österreichischen Kreuz und der Diakonie als Mitarbeiterin angestellt und versucht dadurch auch jene Hilfe zurück zu geben, die sie selbst erfahren hat. Über die Hürden während ihres Studium, ihren Erfahrungen als Flüchtling und den Schwierigkeiten auf dem österreichischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, erzählt Suad im nachstehenden Interview mit Manpower.

Manpower: Was waren die größten Hürden während deiner Ausbildung?
Meine Muttersprache ist Somali und arabisch, da ich meine Kindheit in Saudi Arabien verbracht habe. In Pakistan war es eine große Herausforderung die Sprachbarriere zu überwinden. Ich sprach zwar Somali und Arabisch und ein wenig Englisch, aber der Unterricht an der Universität war zu einem großen Teil in Urdu (Anm.: Amtsprache von Pakistan). Also musste ich in kürzester Zeit mein Englisch verbessern und Urdu in kürzester Zeit lernen. Ich vermisste meine Familie, aber ich hatte die Perspektive nach Syrien zurückzugehen, also war es nicht so schlimm. Erst als der Krieg begann und mir bewusst wurde, dass ich meine Familie vielleicht überhaupt nicht mehr sehen konnte, war dieser Gedanke für mich fast unerträglich.

Manpower: Aus deiner Erfahrung als Flüchtling, welche Wichtigkeit hat Arbeit für dich?
Ich hatte nicht erwartet, dass ich in Österreich so schnell Arbeit bekommen würde. Aufgrund meiner Tätigkeit als Freiwillige (*Anmerkung: beim Roten Kreuz und der Diakonie Österreich) war das leichter für mich. Viele Menschen mit Fluchtgeschichte sind sehr gut ausgebildet, Doktoren, Ingenieure etc. und sie haben kaum eine Chance hier am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, obwohl sie manchmal wirklich in kürzester Zeit sehr gut Deutsch lernen und sich integrieren. Es ist unglaublich wichtig für Menschen aus dem arabischen Raum zu arbeiten, weil sie über ihre Arbeit auch einen wesentlichen Teil ihres Selbstwerts beziehen. Ich kenne viele die blühende Betriebe in ihrer Heimat leiteten und sie waren durchaus wohlhabend, hier müssen sie ihr Leben neu aufbauen, das ist ein unglaubliche Herausforderung. Ich bin mir sicher, sobald die Wirtschaft entdeckt wie viel Potential und wieviel Willen zu arbeiten, sich zu verbessern, sich einzubringen Menschen mit Fluchtgeschichte mitbringen, wird es auch klarer werden, dass sie viel für ein Österreich der Zukunft beitragen können.

Manpower: Welchen Stellenwert hat Arbeit an sich für dich in deinem Leben?
Als ich hier (Anmerkung: in Österreich) ankam und nichts tun durfte hat mich das total verrückt gemacht, ich fühlte mich nutzlos. Ich spüre dass meine Möglichkeit hier zu arbeiten, als Frau mit Fluchtgeschichte, als Muslim, als Afrikanerin für mich unglaublich wichtig ist. Ich fühle mich akzeptiert und respektiert, meine posive Sicht auf die Welt kam zurück. Ausserdem habe ich die Möglichkeit über meine Arbeit viele wunderbare Österreicher kennenzulernen. Ohne die Unterstützung und ihre Hilfe wäre es unmöglich gewesen hier am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Manpower: Was sind deiner Meinung nach die größten Hürden für asylberechtigte Menschen, die einen Job in Österreich suchen?
Viele müssen sehr lange warten, bis sie überhaupt wissen ob sie Asyl bekommen. In dieser Zeit dürfen sie nicht arbeiten. Wer 2 Jahre zum Nichtstun verurteilt ist findet nachher schwieriger in den Arbeitsmarkt. Auch die Sprachbarriere muss man erst überwinden. Allerdings gibt es ziemlich viele, die sehr schnell die Sprache lernen, das beeindruckt mich immer wieder. In seinem ursprünglichen Beruf zu arbeiten ist oft auch schwierig, weil Ausbildungen häufig nicht anerkannt werden. Ich glaube sobald Arbeitgeber Menschen mit Fluchtgeschichte kennenlernen, werden Vorurteile abgebaut und es werden sich die wichtigsten Barrieren in den Köpfen der Menschen auflösen. Dann wird es viel einfacher werden Arbeit zu finden.

Manpower: Welchen Rat und/oder Tipps würdest du Menschen auf Jobsuche, unabhängig seiner Herkunft, geben?
Gib die Hoffnung nie auf, mach immer weiter, irgendwann wirst du dein Ziel erreichen.

Manpower: Wenn du einen Wunsch frei hättest, welcher wäre es?
Ich wünsche mir eine Welt in der Menschen in Frieden zusammenleben können, in der Menschen Vielfalt schätzen und mit einer positiven Einstellung aufeinander zugehen. Schlagen wir die Brücke von der Angst hin zu Hoffnung. Angst lähmt uns, Hoffnung macht uns frei.

Manpower: Vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast Suad!

Fotoquelle Titelbild von Suad: UNHCR / Stefanie J. Steindl