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Millennials! Willkommen in der Steinzeit!

Wie Sie Ihre Mitarbeiter mit interner Kommunikation zu Markenbotschaftern machen

Sie posten ihr tägliches Leben auf Snapchat oder Instagram. Sie kommunizieren via Whatsapp und sind mit „Always On“ aufgewachsen. Sie wissen mit neuen Medien umzugehen und landen oft in Unternehmenskulturen, die sich rein kommunikativ nach einer Rückkehr in die Steinzeit anfühlen. Denn obwohl jedes Unternehmen von idealen Markenbotschaftern träumt, die Marke, Vision, Produkt oder Dienstleistung nach außen kommunizieren, wird die interne Kommunikation zu diesen vernachlässigt. Doch gerade die Professionalisierung der internen Kommunikation kann enormen Einfluss auf die Mitarbeiter haben. Denn nicht umsonst heißt es: Good PR begins at home.

Die Führungskräfte der Zukunft: Die Millennials – sie sind zwischen 1980 und 2000 geboren – sind mit Internet und mobiler Kommunikation aufgewachsen und stellen klare Forderungen an Unternehmenskulturen. Sie erwarten offene Kommunikation, flexible Arbeitszeiten und vor allem eines: Sinn bei ihrer Arbeit. Wir haben uns mit Rosemarie Nowak, Lehrgangsleiterin an der Donau-Universität Krems, getroffen und mit ihr über Culture Clash, Millennials und Unternehmenskulturen der Zukunft gesprochen.

Interview mit Rosemarie Nowak über interne Kommunikation und Millennials

Manpower: 
Wie wird der Mitarbeiter zum perfekten Markenbotschafter und vertritt das Unternehmen nach außen?

Nowak:
Die Unternehmen müssen selbst authentisch werden und müssen sich bewusst werden, wer sind wir – welche Kultur leben wir? Wenn die Führungskräfte selbst authentisch sind, dann springt der Funke meistens auf die Mitarbeiter über. Man muss also von vornherein darauf achten, dass die Mitarbeiter zum Unternehmen passen. Wenn die Organisation nicht die entsprechenden Möglichkeiten, im Sinne einer formell gesteuerten internen Kommunikation zur Verfügung stellt, dann wird die informelle Kommunikation umso mehr zunehmen. Den meisten Unternehmen geht es um Kontrolle und Kontrolle ist ja eine Illusion.

Wie können Unternehmen eine Veränderung der Kultur anstreben und sich auf die Millennials bzw. die Digital Natives einstellen?

Viele Digital Natives erleben einen richtigen Culture Clash. Die Millennials sind gewohnt, auf Whatsapp, auf Instagram auf Snapchat zu kommunizieren. Sie zeigen ihre Persönlichkeit in der Öffentlichkeit und haben sehr viel Erfahrung damit, was sie hergeben und was nicht. Die meisten Unternehmen werden heutzutage von den Babyboomern geleitet oder der Generation X und von deren Vorstellungen über Kommunikation.

Manpower:
Was ist eigentlich interne Kommunikation?

Nowak:
Zumeist wird das gemeint, was offiziell intern kommuniziert wird. Es ist der offizielle Dialog, der Top Down stattfindet, zum Beispiel in der Mitarbeiterzeitung oder dem Intranet etc. Es gibt aber natürlich noch viele andere Formen der internen Kommunikation, zum Beispiel die informelle Kommunikation oder auch die Führungskräftekommunikation.

Manpower:
Warum ist die interne Kommunikation noch immer Stiefkind in der Kommunikation?

Nowak:
Viele nehmen an: Mein Unternehmen funktioniert sowieso. Die Führungskräfte erkennen den Mehrwert noch nicht, wie Mitarbeiter auch mehr leisten können, wenn sie sich mit einer Organisation identifizieren.

Manpower:
Was sind so erste Schritte, die man nun als mittelständisches Unternehmen tun kann?

Nowak:
Man muss unterscheiden zwischen der klassischen internen Kommunikation, ihren Instrumenten und der Führungskommunikation. Es gibt da diesen Spruch: „People join companies and leave bosses“. Was soviel heißt wie, die Marke finde ich interessant, aber den Chef halte ich dann nicht aus. Die Unternehmen können ganz stark mit ihren Führungskräften arbeiten, hinsichtlich Marke, Zielsetzung, Vision. Wenn man eingebunden ist und mitarbeiten kann, fühlt man sich auch innerlich gebunden.

Manpower:
Du hast ja gerade das Buch „Interne Organisationskommunikation“ geschrieben. Was sind denn die wichtigsten Instrumente in der internen Kommunikation?

Nowak:
Ich sage es wieder, man muss sich bewusst sein – welche Organisation bin ich? Brauche ich technische Möglichkeiten, eigene Messenger? Je größer das Unternehmen ist, desto wichtiger sind die Tools. Groß im Kommen sind die Collaboration Tools. Die Mitarbeiterzeitung ist nach wie vor ein wichtiges Instrument. Das persönliche Gespräch ist nach wie vor äußerst wichtig, vielleicht noch wichtiger als früher, als Mitarbeiter sich noch als Befehlsempfänger gesehen haben. 

Manpower:
Vertrauensarbeitszeit, Homeoffice, keine fixen Arbeitszeiten – sind das Dinge, auf die sich Unternehmen in Zukunft einstellen müssen?

Nowak:
Für die Mitarbeiterbindung werden Homeoffice und Vertrauensarbeitszeit immer wichtiger. Gerade die Millennials möchten Sinn in ihrer Arbeit finden. Es ist nicht mehr so wichtig, von 8 bis 16 Uhr im Büro zu sitzen, wichtig ist, dass das Ziel erreicht wird. Der Grundgedanke jedes Unternehmens ist ja Zielerreichung. Es geht um Vertrauen, Eigenständigkeit. In der neuen Welt werden sich die Mitarbeiter schwer tun, die für jeden Schritt eine Anweisung brauchen. Es geht vor allem um Zielerreichung.

Wie wichtig ist der Fun Factor? Der hundertste Mitarbeiterevent – bringt der etwas?  

Wenn man Mitarbeiter hat, die identifiziert sind, gehen sie nicht um 16 Uhr nach Hause. Es geht auch um das Miteinander, die Kollegen. Gerade die Millennials haben von den Eltern immer gehört, wie schlimm die Kollegen sind und wie böse der Chef ist. Die Millennials wollen andere Wege gehen.

Bist du in der internen Kommunikation beschäftigt? Betreiben Sie interne Kommunikation?

Hier die 10 Erfolgsfaktoren für die interne Kommunikation.

  • Informiert sein: Was ist im Unternehmen los? Worüber sollten Mitarbeiter informiert werden?
  • Rechtzeitig kommunizieren: Mitarbeiter sollten rechtzeitig erfahren, was los ist und welche Veränderungen anstehen, bevor Gerüchte entstehen.
  • Authentisch sein: Bleibe Du selbst. Setz dir keine Maske auf und mache keine Hofberichterstattung für die Geschäftsführung. Leute, die in der internen Kommunikation beschäftigt sind, sollten vor allem sie selbst bleiben (auch wenn das oft leichter gesagt als getan ist).
  • Beherrschen des kommunikativen Handwerkzeugs: Gerade in der internen Kommunikation ist es wichtig, die gesamte Klaviatur der Kommunikation spielen zu können. Vom Texten bis zur Auswahl der richtigen Bilder.
  • Intern beraten: Mitarbeiter, die in der internen Kommunikation arbeiten, sollten andere in der Organisation beraten, wie kommuniziert werden kann.
  • Intern mit anderen Kommunikatoren vernetzen: Vernetze dich innerhalb der Organisation mit der Personalabteilung, dem Marketing etc. Wichtig ist es, ein regelmäßiges Update zu haben, damit immer alle am Letztstand sind.
  • Sich Unterstützung holen: Oft ist man Teil des Systems. Hol dir Unterstützung von außen, wenn du merkst, dass du sie brauchst!  
  • Intern wird extern: Allen muss klar sein: Was intern kommuniziert wird, wird irgendwann extern. Geheimnisse sind eine Illusion.
  • Evaluieren und Feedback: Die beste Kommunikation verpufft, wenn ich nicht weiß, wie sie gewirkt hat. Organisiere Mitarbeiterbefragungen!
  • Erfolge feiern: Macht euch miteinander bewusst, was gemeinsam geschafft wurde. Kommuniziere informell, gehe mit  dem Team auf ein Bier oder einen Apfelsaft!

Interview mit Rosemarie Nowak über interne Kommunikation und Millennials

Rosemarie Nowak rät:

Begib dich in eine ehrliche Nabelschau: Wie ist meine Unternehmenskultur, wie ticken wir? Rufe einen Workshop ins Leben und setze dich bewusst mit eurer Kultur auseinander. Setze neue Samen, nur so Sie langfristig Früchte ernten!

Mehr Informationen zum Thema interne Kommunikation oder auch zu den Lehrgängen der Donau Universität Krems findest du auf: www.donau-uni-ac.at