Manpower Österreich
Lektionen aus der Krise: Unternehmen auf dem Weg in eine neue Normalität

Manpower lud zur Pressekonferenz ins luftige Wiener Palais Coburg. Es ging um globale und lokale Trends auf den Arbeitsmärkten, um Kandidatenmangel trotz Arbeitslosigkeit und wie sich Unternehmen auf ein zunehmend volatiles Umfeld einstellen können.

Die Diskutanten von links nach rechts:
Mag. Daniel Bacher, Head of Human Resources bei der Leobersdorfer Maschinenfabrik,
Hans Leentjes, Manpower Regional Managing Director Central EMEA,
Erich Pichorner, Geschäftsführer Manpower Österreich und
Dr. Johannes Kopf, AMS Vorstandsmitglied

Einen personellen Aufwärtstrend bei heimischen Unternehmen vermeldet Manpower Österreich Chef Erich Pichorner. 13% von 750 befragten Personalchefs wollen im kommenden Quartal zusätzliche Leute aufnehmen. Ihnen stehen nur 5% gegenüber, die Mitarbeiter abbauen müssen.

Trotz hoher Arbeitslosigkeit sind manche Jobs schwierig zu besetzen: In Österreich sind das Facharbeiter, Verkaufsberater, Techniker, Fahrer, IT Experten, Ärzte & medizinische Berufe, Reinigungs- & Haushaltskräfte, Köche, Schlosser und Verkaufsleiter.

Im Publikum aufmerksame Journalisten der besten Medien Österreichs.

Die Gründe für den Talent Mismatch sind vielschichtig, erläutert Manpower Zentraleuropa-Chef Hans Leentjes:

  • Unwissenheit oder zu wenig Ausbildungsinteresse an Berufen, nach denen große Nachfrage herrscht;
  • demografische Entwicklungen (die Babyboomer nähern sich dem Persionsalter, zu wenige Junge rücken nach);
  • zunehmend überhöhte Anforderungen der Unternehmen an ihre Bewerber.

Gegen letzteres bietet Hans Leentjes drei Auswege an:

  • erstens Kandidaten akzeptieren, die "ausreichende" Kenntnisse mitbringen und Fehlendes im Unternehmen nachlernen,
  • zweitens das "Aufrüsten" eigener Beschäftiger mit interner und externer Weiterbildung,
  • und drittens - falls die beiden anderen Ideen nicht fruchten - viel Geduld und einen langen Atem beim Rekrutieren.

AMS Chef Johannes Kopf (im Bild unten rechts) verzeichnet seit Jahresbeginn einen Anstieg der gemeldeten offenen Stellen. Per Ende Mai lag er mit 32.000 um 4.600 oder 16,5% über dem Vergleichsmonat des Vorjahres.

Immer mehr Unternehmen verlagern "einfache" Tätigkeiten ins Ausland, berichtet Johannes Kopf. Wissensbasierte, konzeptive und hochspezialisierte Arbeit wird weiter bei uns verrichtet. Österreich muss daher auch in Zukunft massiv in Aus- und Weiterbildung investieren.

Ungelernte Kräfte werden es immer schwerer haben, Arbeit zu finden, so Johannes Kopf. Das mit Abstand höchste Arbeitslosenrisiko haben Personen, die keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung aufweisen.

Der vorliegende leichte Wirtschaftsaufschwung zeigt sich bereits an steigender Arbeitskräftenachfrage. Er erwartet einen deutlichen Stellenzugang bei Gesundheit & Soziales, Erziehung & Unterricht und Tourismus bzw. Energiewirtschaft.

Zeitarbeitsunternehmen sind die größten Kunden des AMS. 2009 meldeten sie zusammen 16% aller offenen Stellen beim AMS an. Zum Vergleich: 1998 kamen erst 4,1% aller gemeldeten Stellen von Zeitarbeitsfirmen.

Mag. Daniel Bacher, Personalchef bei der Leobersdorfer Maschinenfabrik, weiß aus eigener Praxis, dass viele Jobs verloren gehen, weil sie in Niedriglohnländer ausgelagert werden. 

Er berichtet von indischen Mietsekretärinnen, die online für deutsche Unternehmen arbeiten, und arbeitslos gewordenen Buchhaltern, deren Abteilungen nach Polen verlegt wurden.

Auch Technikjobs werden wegen der niedrigen Stundensätze gern in die Slowakei oder nach Ungarn outgesourct: "Es ist aber fraglich, ob die Leistung in der gewünschten Qualität kommt."

Zuletzt noch einige Schnappschüsse und Stimmungsbilder:

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