Manpower Österreich
Kärntner Arbeitsmarkt im Jahr Eins nach der Krise

Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe "Global vs. Lokal: der Arbeitsmarkt im Jahr Eins nach der Kirse" diskutierten gestern sechs Personalexperten im Klagenfurter Hotel Sandwirth über globale Trends und ihre Auswirkungen auf den Kärntner Arbeitsmarkt.

Im Bild von links nach rechts:
Erich Pichorner, Geschäftsführer, Manpower GmbH
Mag. Dr. Carmen Gruber, Human Resource Manager, Wild GmbH
Mag. Michael Kosutnik, Head of Human Resources, Mahle Filtersysteme Austria GmbH
Mag. Marita Pontasch, Leitung Firmenservice, BFI Kärnten
Renate Kenzian-Choc, Area Manager Süd, Manpower GmbH
Peter Greiderer, HR-Manager, Vishay Semiconductor GmbH Austria

 

Manpower Geschäftsführer Erich Pichorner warnte davor, das verschobene Weltgefüge auf die leichte Schulter zu nehmen. Der aktuelle Aufschwung ist der Nachfrage aus Asien, insbesondere China, zu verdanken. Sobald China selbst zu technologischen Entwicklungen imstande ist, braucht es die Alte Welt nicht mehr.

HR Manager Peter Greiderer bestätigte diesen Trend für Vishay Semiconductor Austria in Kärnten: „Unsere Erholung kommt rein aus dem asiatischen Markt. Europa und Amerika bleiben flach.“ Er zeichnete ein eindringliches Bild des Kostendruckes und der Notwendigkeit, über Subkontraktoren in Niedriglohnländern zu fertigen. „Der Think Tank muss in Europa bleiben.“ Um die überlebensnotwendige Beweglichkeit zu gewährleisten, fordert er flexible Arbeitszeitmodelle, Durchrechnungszeiträume und Langzeit-Arbeitskonten.

In Kärnten selbst ist die Stimmung unter den Wirtschaftstreibenden pessimistischer als im übrigen Österreich. Das ergab der Manpower Beschäftigungsausblick für das 2. Quartal 2010. In Kärnten wollen 9% der befragten 80 Unternehmen Personal aufnehmen. 13% müssen abbauen. Über ganz Österreich steht bei 751 Befragten das Verhältnis mit 10% Aufbau zu 6% Abbau günstiger, berichtete Manpower Area Manager Renate Kenzian-Choc. Bei großen lokalen Unternehmen erkennt sie einen deutlichen Aufwärtstrend, während KMUs pessimistisch bleiben: „Die Herausforderung für Kärnten ist, das Land als Industriestandort und gleichzeitig als Tourismusregion hervorzuheben.“ Sie erwartet Konzepte und Anreizprogramme sowohl für Firmen als auch für qualifizierte Leute, sich hier niederzulassen.

Mangel an geeigneten Bewerbern trotz hoher Arbeitslosigkeit ist auch das Thema von Michael Kosutnik, Head of Human Resources bei Mahle Filtersysteme Austria GmbH. Für kommende Projekte und Fusionen sucht er gut ausgebildete Techniker und Facharbeiter. Obwohl als Autozulieferer von der Krise stark betroffen, hat Mahle bereits wieder den Mitarbeiterstand von 2008 erreicht. Michael Kosutnik versucht, den Fachkräftemangel durch eigene Lehrlingsausbildung auszugleichen, erhält jedoch zu wenig Bewerbungen. „Um jährlich 25-30 Lehrlinge zu besetzen, brauche ich 90 Bewerbungen. Ich bekomme jedoch nur 60.“ Er spürt deutlich den demografischen Knick bei den 14-15 Jährigen. Zur Gegensteuerung will er mehr Mädchen in die Technik bringen. „Auch Kärntner Fremdgeher, die nach Wien,  in die Steiermark oder gar ins Ausland gezogen sind, müssen wir zurückholen. Sie wissen gar nicht, welche Möglichkeiten es inzwischen in Kärnten gibt.“ 

Die Wild Gmbh war dank ihrer medizinischen Nischenprodukte im optomechatronischen bereich von der Krise kaum betroffen. Human Resources Manager Carmen Gruber will ebenfalls den Mitarbeiterstand aufstocken, findet jedoch zu wenige qualifizierte Techniker. Sie ortet „eine gewisse Orientierungslosigkeit und Resignation“ in den Vorstellungsgesprächen. „Die Firmen suchen Kämpfer, die Bemühen und Willen zeigen.“ Carmen Gruber appelliert an Bewerber, arbeitsfreie Zeiten für Weiterbildung zu nutzen, „aber keine 08/15-Schulungen, sondern strategisch gut überlegte!“

Marita Pontasch leitet das Firmenservice des BFI Kärnten. Ihre Weiterbildungsklassiker sind EDV-Schulungen und Persönlichkeitstrainings. Auch die „2. Bildungskarenz“, bei der Unternehmen bis zu 30 Personen gefördert in Karenz gehen lassen, wird gut angenommen. „Das BFI Kärnten hat sich einen besonderen Namen mit Individuallösungen gemacht. Für Sonderkurse organisieren wir Trainer auch mit speziellen Kenntnissen auch aus dem Ausland und bringen sie nach Kärnten.“

Manpower Chef Erich Pichorner appellierte abschließend, den Einfluss sozialer Netzwerke wie Facebook und Twitter auf die Arbeitswelt nicht zu unterschätzen. „Die nachwachsende Generation der „digital Natives“ trennt im Netz nicht mehr zwischen Beruf und Privatem. Sie baut das ganz selbstverständlich in ihren Arbeitsalltag ein. Unternehmen müssen lernen, damit umzugehen.“

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